St. Michael - Nachlese

Advent 2020

        „Maria durch ein Dornwald ging,

                      kyrie eleison,

         Maria durch ein Dornwald ging,

         der hat in sieben Jahren kein 

                Laub mehr getragen.

                   Jesus und Maria!“

Das erste Bild unserer Adventsreihe ist angelehnt an die erste Strophe dieses Liedes.

Das Bild zeigt uns einen Weg durch dichte Dornen, der scheinbar in die Dunkelheit führt.

Dornenzweige: dürr und leblos, abweisend.

Dornengestrüpp: was sich darin verirrt, ist gefangen, eingezwängt, wehrlos und hilflos.

Spitze Dornen: sie verletzten, sticheln, fügen Wunden zu, die schmerzen.

Wie ein Dornwald, so kann unsere Welt sein, so kann unser Leben sein:

freudlos, finster, erfüllt von Angst und Hoffnungslosigkeit, von Ärger und Verzweiflung, von brutaler Zerstörung, Gemeinheit, Hartherzigkeit, Kälte und Trauer, unerlöst.

Die ganze Welt scheint ein nicht enden wollender Dornwald zu sein sie leidet an Corona und Heimatlosigkeit, an Naturkatastrophen und Armut und hat sich im Dickicht von Krieg, Hunger, Gewalt, Ausbeutung, Hass und Unmenschlichkeit verstrickt.

Und ganz persönlich?

Durch welche Dornen, durch welche Leb– und Lieblosigkeiten müssen Sie gehen?

Was hat Ihnen schmerzende Wunden auf Haut und Herz zugefügt?

Welches Dickicht von Scheitern, Schuld, von Zweifeln und Angst hält Sie fest?

Welche dunklen Stunden in Ihrem Leben scheinen einfach nicht enden zu wollen?

Doch schauen wir genauer hin:

Im ersten Bild unserer Adventsreihe leuchtet ein Licht im Dornwald auf:

Wir feiern den ersten Advent! Das Licht will Ihnen/uns sagen:

Gott hat sich auf den Weg gemacht:

· auf den Weg in unsere Welt

· auf den Weg zu uns

· auf den Weg in unsere Dunkelheiten

· auf den Weg in unsere Verwundungen

· auf den Weg in unsere Verstrickungen

· auf den Weg in unsere Einsamkeit und Verlorenheit

Schauen Sie/schauen wir in dieses Licht:

Es soll uns eine stille Bitte um Erbarmen sein, ein Trost und die ganz leise und winzig kleine Hoffnung, dass es vielleicht doch noch gut werden wird, weil Gott sich auf den Weg zu uns gemacht hat.


            Soviel Verfinsterung

auf dieser deiner Welt, Gott,

mehr oft

als zu ertragen

in unserem Vermögen steht.

Nachtwanderer sind wir,

gefährdet allemal,

der Dunkelheit

uns ganz zu übereignen,

nicht zu gewahren

die tröstlichen Zeichen um uns her.

Nur einen Spaltbreit

öffne uns die Tür,

dass uns zu Herzen dringe,

was unsere Nacht erhellt,

und wir getroster weitergehen.

( Sabine Naegli in Auszügen)

 

Liebe Gemeinde,

haben sie beim Hereinkommen in die Kirche die Veränderung in unserem Adventsbild bemerkt?

Von weitem sieht unser Bild fast genau so aus, wie am 1. Advent.

Da müssen wir schon näher hingehen, um diese eine Rose im Dornendickicht zu entdecken - fast verloren inmitten der lebensfeindlichen und dunklen Umgebung.

Näher hingehen ist nicht nur ein äußerer Schritt.

Näher hingehen kann bedeuten, meine innere Dornenwälder genauer anzusehen:

mir meinen Schmerz, mein Unvermögen, meine Ausweglosigkeit nahe gehen zu lassen.

Denn da, wo uns etwas wirklich nahe geht, fallen die Mauern des Nicht-wahr-haben– wollen, des Sich-täuschen und des Verdrängens.

Da, wo uns etwas nahe geht, ändert sich die Sichtweise.

Da, wo uns etwas nahe geht, können Tränen fließen.

Da wo uns etwas nahe geht, wird das Herz weich.

So kann Neues in uns keimen und wachsen - wie Samen, die erst in lockerer und feuchter Erde aufgehen und sprießen:

· Der Glaube, dass Gott uns nahe ist und dass er unsere Dornwälder des Lebens zum Blühen bringt.

· Eine neue Hoffnung, dass unsere Verwundungen heilen werden, weil Gottes Nähe Heil und Heilung schenkt.

· Ein neues Vertrauen, dass es selbst im dicksten Dickicht von Schuld und Versagen Zukunft für uns gibt, weil Gottes Nähe Erlösung schenkt.

· Eine neue Zuversicht, dass die dunklen Stunden von Angst, Trauer und Verzweiflung erhellt werden, weil Gottes Nähe Liebe und Frieden schenkt.

 

                    Mag sein,

dass deine Seele weint

und dass dein Herz trauert:

Ich bin dir nahe!

Ich werde dich trösten.

Mag sein,

dass deine Hoffnungen zerbrochen

und deine Träume geplatzt sind:

Ich bin dir nahe!

Ich werde dich heilen.

Mag sein,

dass deine Ohren ertaubt sind

und deine Stimme verstummt:

Ich bin dir nahe!

Ich werde dich rufen.

Mag sein,

dass deine Augen erblindet

und deine Schritte erlahmt sind:

Ich bin dir nahe!

Ich werde dich führen.

Mag sein,

dass dein Glaube geschwunden

und deine Liebe gestorben:

Ich bin dir nahe!

Ich werde dich retten.

Ich,

der Herr,

dein Gott

der sich aufgemacht hat zu dir

um dir nahe zu sein

um in dir zu sein

und dich zu befreien.

(in Anlehnung an ein Gedicht von Werner Kallen,

Aus: Ausatmen, Aufatmen - Impulse für Besinnungstage)

 

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser!!

Nichts ist mehr so, wie es einmal war!

Wir - und mit uns die ganze Welt sind in einer Krise, von der wir nicht wissen, wann sie endet, ob sie endet, wie sie endet.

Wann ist es endlich wieder, wie es war?

Wann können wir da weitermachen, wo wir 2019 aufgehört haben?

Wann können wir uns wieder mit dem umgeben, was uns vertraut und liebenswert war?

Wann können wir uns endlich wieder Nähe teilen?

Gerade das kommende Weihnachtsfest wollten wir doch endlich wieder im Kreis der Lieben feiern.

Aber nach Ostern wird auch Weihnachten wohl nicht so, wie es mal war!

Ich habe in den letzten Wochen Menschen getroffen, die von der Pandemie tief gezeichnet sind:

· Menschen, die die Angst um ihre Existenz nicht mehr schlaffen lässt,

· Menschen, die nicht am Virus aber an Einsamkeit erkranken und verzweifeln

· Menschen, die sterbenden Angehörigen nicht geben durften, was sie gebraucht hätten: eine Hand, die sie hält, eine Umarmung, ein: Ich bin in dieser schweren Stunde bei dir.

Das was ist, ist kaum zu ertragen, das, was war will sich nicht wieder einstellen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man.

In den Sommermonaten flackerte sie kurz auf, als die Regelungen gelockert und die Aussicht auf Normalität zu mindestens denkbar war.

Heute sprechen die Zahlen und die damit verbundenen Maßnahmen wieder eine andere Sprache.

Und so ist das, was ist, ist kaum zu ertragen, das, was war wird sich auch zu Weihnachten nicht wieder einstellen.

Wo ist also die Hoffnung oder besser gesagt:

Wer kann uns jetzt noch Hoffnung geben, dass irgendwie doch noch alles gut wird?

Die biblischen Texte der Adventszeit stellen uns immer wieder Menschen vor, die genau das tun.

Heute ist es als erstes der Prophet Jesaja.

Die Zeit in einem fremden Land, in der Gefangenschaft, war für das Volk Israel endlich zu Ende gegangen. Sie durften aus ihrem Exil nach Hause zurückkehren. Doch dort standen sie vor den Trümmern ihrer einstigen Heimat. Der Tempel – ihr Heiligtum – war zerstört. Die Stadt war den Räubern und Umherziehenden schutzlos ausgeliefert und wurde geplündert und verwüstet. Not herrschte inmitten der Stadt. Sah so die Freiheit, das Ende der Gefangenschaft aus? Die Zurückgekehrten resignierten und Niedergeschlagenheit breitete sich aus. Keine Stimmung, um sich Festtagskleidung überzuwerfen, vielmehr hüllten sie sich in Gewänder von Traurigkeit und Schwermut.

In dieser trostlosen Situation tritt der Prophet Jesaja auf und erhebt seine Stimme.

Seine Kunde will zu Herzen gehen,

sie will aufrichten und heilen,

sie will befreien und in die Zukunft führen.

Denn die Botschaft Gottes hat einen klaren Inhalt:

Gott hat euch nicht vergessen!

Das Heilsame und Zuträgliche für unser Leben kommt von Gott.

Davon war der Prophet Jesaja überzeugt und das ist für ihn der wahre Grund der Freude.

Weil Gott treu ist, uns Menschen im Blick behält und uns das Leben in seiner Fülle schenken mag, kann der Prophet ein Freudenfest ausrufen. (Holger Winterholer in Dienst am Wort)

Später im Evangelium hören wir von Johannes dem Täufer. Ein Mann mit Ecken und Kanten. Auch er ist davon überzeugt, dass das Heil nur von Gott kommen kann.

Er ist nur Bote des Heils, das in Jesus unerkannt schon mitten unter den Menschen ist - so seine Botschaft.

 

Und im Zwischengesang hören wir die Freude Mariens im Magnifikat: Mein Geist jubelt, über Gott, meinen Retter.

Denn der Große hat Mächtiges an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich.

Woher nehmen diese 3 ihre Hoffnung, ihre Freude, ihren Glauben an eine bessere Zukunft?

Ein Prophet, ein Rufer in der Wüste, ein schwangeres Mädchen, die in ihrer Zeit der Steinigung entgegen sehen muss, weil sie keinen Mann hat!

Was lässt sie - allem selbst erlebten und anhaltendem Unheil zum Trotz - die Stimme erheben und von Heil reden?

Jesaja beantwortet uns diese Frage selbst:

Der Geist des Herrn ruht auf mir. Er rief mich und er sandte mich, der Welt das Heil zu bringen.

Bei Johannes müssen wir im Lukasevangelium an den Anfang gehen. Dort verkündet ein Engel dem Zacharias die Geburt des Johannes:

„Du wirst dich freuen und jubeln und viele werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn und schon vom Mutterleib an wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein.“

Und Maria, die den Engel fragt, wie das denn gehen kann, dass ausgerechnet sie den Sohn des Höchsten gebären soll, bekommt zur Antwort:

Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.

Heiliger Geist: die kreative Kraft Gottes, die bewegt, die Neues schafft, die lebendig ist, die in uns atmet, uns zum Guten antreibt und die niemals aufgibt in uns zu wirken.

Jesaja, Johannes und Maria sind erfüllt von diesem Geist.

Sie geben diesem Geist einen Platz in ihrem Herzen, ihrem Leben.

Sie nehmen sich selbst zurück, um Platz für diese wunderbare Kraft Gottes zu schaffen.

Sie haben nicht gewusst, was das für Auswirkungen haben kann für ihr Leben.

Sie sind das Risiko eingegangen, dass nichts mehr so wird, wie es einmal war, wenn sie sich ganz auf diesen Geist einlassen.

Sie sind neue, ganz und gar nicht einfache Wege gegangen, im Vertrauen darauf, dass der Hl. Geist sie führt und leiten wird und haben so den Menschen Heil und Heilung gebracht.

Israel wird getröstet und darf sich freuen - denn Gott wird kommen, so die geisterfüllte Botschaft Jesajas.

Du kannst dich verändern, umkehren und heil werden, denn der, der kommen wird, sieht dich und bringt dir das Heil, dass von Gott kommt - so die geisterfüllte Botschaft des Johannes.

Gott liebt dich so sehr, dass er sich klein macht um in dir zu leben, damit du leben kannst, sogar über den Tod hinaus - so die geisterfüllte Botschaft Marias.

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser!

Sie werden jetzt vielleicht denken: Das sind Hoffnungsgeschichten aus alten Zeiten - aber was ist heute?

Wo sind solche Hoffnungsboten in Kassel, in St. Michael zu finden?

Ein kleiner Tipp:

Schauen sie sich mal ihren Nachbarn/ ihre Nachbarin an.

Und dann jede einzelne Person, die jetzt hier ist.

Und wer mutig ist, kann sich auch selbst mal in den Blick nehmen.

Wir alle sind von Gott gedacht, als Propheten und Prophetinnen,

wir alle sind von Gott befähigt, Rufer in der Wüste zu sein,

wir alle können mit Gottes Liebe schwanger gehen und die Dornwälder der Menschheit zum Blühen bringen.

Schon in der Taufe ist uns der Geist Gottes geschenkt worden. Und diejenigen unter uns, die gefirmt sind, haben in der Firmung gehört: Sei besiegelt mit der Gabe Gottes, dem Hl. Geist.

Die Frage ist nur, ob wir das in aller Konsequenz glauben können - glauben wollen.

Vielleicht müssen wir hier und da einen kleinen Weihnachtsputz einlegen und aufräumen in unserem Herzen um vertrauen - um glauben - zu können:

Manche Vorstellungen und Gedanken können wir vielleicht in den Müll - über Bord - werfen, weil sie uns nur einengen und belasten,

andere Gedanken, Erinnerungen und Gefühle müssen wir vielleicht abstauben und ihnen neue Beachtung schenken, damit sie wieder erstrahlen und Freude schenken.

Und wenn wir dann noch hier und da eine kleine Lichterkette aufhängen: aus Gebet, aus schönen Begegnungen der letzten Tage und aus guten Wünschen für andere….

So schaffen wir Herzensräume, in denen der Hl. Geist Platz und Freude hat in uns zu wirken und Großes an und mit uns zu tun,

als Propheten und Prophetinnen,

als Rufer in den Wüsten unserer Zeit, die die frohe Botschaft von Menschlichkeit und Menschwerdung durch Wort und Tat in die Nacht der Menschen bringen,

als schwangere Frauen und Männer, die guter Hoffnung sind, dass auch in unserer Zeit Rosen der Liebe und der Heilung blühen werden.

Denn - um es mit Paulus zu sagen:

Freut euch zu jeder Zeit!

Betet ohne Unterlass!

Dankt für alles; denn das will Gott von euch, die ihr Christus Jesus gehört.

Löscht den Geist nicht aus!

Gott, der euch beruft, ist treu; er wird es tun.

Amen.

(Doris Schall)

 

In jenen Tagen als König David in seinem Haus wohnte und der Herr ihm Ruhe vor allen seinen Feinden ringsum verschafft hatte, sagte er zu dem Propheten Natan: Ich wohne in einem Haus aus Zedernholz, die Lade Gottes aber wohnt in einem Zelt.

Natan antwortete dem König: Geh nur und tu alles, was du im Sinn hast; denn der Herr ist mit dir.

Aber in jener Nacht erging das Wort des Herrn an Natan:

Geh zu meinem Knecht David, und sag zu ihm:

So spricht der Herr: Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne?

Ich habe dich von der Weide und von der Herde weggeholt, damit du Fürst über mein Volk Israel wirst, und ich bin überall mit dir gewesen, wohin du auch gegangen bist.

Nun verkündet dir der Herr, dass der Herr dir ein Haus bauen wird.

(aus dem 2. Buch Samuel)

Tempel, Kirchen, Gotteshäuser - gebaut für Gott!

Tempel, Kirchen, Gotteshäuser - gebaut für Gott?

Tempel, Kirchen, Gotteshäuser - gebaut für uns?!

Gottes Wohnung - unser Herz.

Mir geschehe nach deinem Wort - der Türöffner!

Alles beginnt mit der Sehnsucht

Der blaue Himmel,

das endlose Band einer Straße -

der Mensch sieht ein Sinnbild des Lebens darin.

Immer ist im Herzen Raum

für mehr,

für Schöneres, für Größeres.

Immerfort sich hinstrecken

auf ein Kommendes -

das ist des Menschen Größe und Not.

Sehnsucht nach Verstehen,

nach Freundschaft, nach Liebe.

Und wo Sehnsucht sich erfüllt,

dort bricht sie noch stärker auf:

Dass es so bleibe,

dass es nicht vorübergehe.

Fing nicht auch die Menschwerdung Gottes

mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?

So möge nun unsere Sehnsucht damit anfangen,

IHN zu suchen, in Bewegung zu kommen,

und möge sie damit enden,

IHN gefunden zu haben.

(nach Nelly Sachs)

 

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser!!

Weihnachten 2020! Was für eine Herausforderung!

„Bitte machen Sie keine Besuche, halten Sie Abstand und kommen Sie nicht zusammen, um sich ein frohes Weihnachtsfest zu wünschen. Im Gottesdienst darf nicht gesungen werden, Krippenfeiern für Kinder dürfen in gewohnten Maße nicht stattfinden, ….“ Die Liste der Bestimmungen zum Schutz aller ist lang und sogar mancher Weihnachtsgottesdienst wird nicht gefeiert/kann nicht gefeiert werden.

Vor kurzem sagte mir eine ältere Frau: „Das ist doch kein Weihnachten - so ohne Familie, ohne Nähe. Noch nicht einmal in die Christmette kann ich gehen. Weihnachten fällt für mich in diesem Jahr aus. “

Und ja, das, was diese Dame zu Recht mit Weihnachten verbindet wird in weiten Teilen dieses Jahr nicht sein. Fällt Weihnachten also wirklich 2920 aus?

Durch Gespräche mit Pfarrer Steinert hat sich in mir eine Überlegung festgesetzt, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte:

Was wäre, wenn wir die Leere und die Einsamkeit, die das diesjährige Weihnachtsfest mit sich bringt, als Chance verstehen, Gott zu begegnen, fern ab von Tannenbaum und vertrauten Traditionen. Wenn man die Bibel aufschlägt oder Biographien von Heiligen liest, stellt man immer wieder fest, dass Einsamkeit und Stille einen großen Anteil an einer tiefen Gottesbeziehung hatten/haben:

· das Volk Israel wird für 40 Jahre in die Wüste geführt,

· Johannes lebt und predigt in der Wüste

· Der hl. Nikolaus von Flüe lebt einen großen Teil seines Lebens in Stille und Einsamkeit

· Menschen gehen heute für viele Wochen in Schweigeexerzitien

· Jesus selbst zieht sich immer wieder in die Stille der Wüste zurück.

In der Wüste, in Stille und Einsamkeit ist der Mensch auf sich selbst zurück geworfen. Ohne Ablenkung kann er suchen und finden, was ihn wirklich ausmacht und was wichtig ist, was sein Leben wirklich trägt.

Das ist nicht einfach - das ist sogar eine große Herausforderung. Da gilt es auszuhalten und der Versuchung zu wider-stehen, aufzugeben und zurückzukehren in das Vertraute und Gewohnte. Selbst Jesus wird (lt. Bibel) in der Wüste dreimal von Satan versucht.

Doch wer sich auf dieses Wagnis einlässt, dem eröffnen sich in und durch die Leere neue Herzensräume. Das Wesentliche findet Platz im Herzen und im Leben.

Menschen die solche Erfahrungen gemacht haben sind meist verwandelt: Es geht eine innere Ruhe und Zuversicht von ihnen aus, die freien Herzensräume sind erfüllt von der Gewissheit, dass es mehr gibt als sie selbst, Und als Menschen, die glauben, können und konnten sie über die Jahrhunderte hinweg bis heute, das sagen und verkünden, was der Engel den Hirten verkündet hat:

Fürchtet euch nicht. Euch ist heute der Retter, der Heil-and geboren!

Was wäre also, wenn wir die Einsamkeit und die Stille des diesjährigen Weihnachtsfest als Chance nutzen, um uns neu auf den Weg zur Krippe zu machen und sie nicht in Bethlehem sondern in unseren Herzen finden?!

Dann - so bin ich überzeugt - fällt Weihnachten nicht aus, sondern wird ganz anders: inniger und wirklicher, als wir je geahnt hätten, weil wir spüren können: Die Liebe Gottes -

Jesus Christus - wird Mensch in unserem Herzen.

Ich wünsche Ihnen allen, auch im Namen von Pfr. Steinert, dass trotz - oder gerade wegen - der schmerzhaften Herausforderungen dieser Zeit, die Dornen ihres Lebens Rosen tragen, dass sich das Dickicht von Enttäuschung, Trauer und Ratlosigkeit weitet und in ihrem Herzen die Krippe der Hoffnung und Zuversicht sichtbar wird, in der die menschgewordene Liebe Gottes wohnt.

„So lass mich doch dein Kripplein sein;
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.“

(Paul Gerhardt)

Ihnen allen ein - von Herzen - frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

Doris Schall

 
Hochfest Erscheinung des Herrn - Krippe mit Königen
Hochfest Erscheinung des Herrn - Krippe mit Königen

Der Stern hat sich nicht geirrt


Der Stern hat sich nicht geirrt,

als er die Fernsten rief,

aufzubrechen zum nahen Gott.


Der Stern hat sich nicht geirrt,

als er den Wüstenweg wies,

den untersten, den härtesten Weg.


Der Stern hat sich nicht geirrt,

als er stehen blieb über dem Haus

der kleinen Leute:

Dort ist die große Zukunft geboren.


Dein Herz hat sich nicht geirrt,

als es sich aufmachte,

den Unbekannten zu suchen.


Dein Herz hat sich nicht geirrt,

als es nicht aufgab

in der sichtlosen Ungeduld.


Dein Herz hat sich nicht geirrt,

als es sich beugte vor dem Kind.


                                        Klaus Hemmerle